Samstag, 6. Oktober 2012

Entdeckertour im Siegerland


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Es herbstelt, bis auf Gänseschar alles im Siegerland. Nebel, buntes Laub und ein original Siegerländer Gericht: Reibeklöße mit Speck-Zwiebelsoße. ((c) presseweller)


In Freudenberg (l.) gibt es viele Fachwerkhäuser zu bestaunen. Von der Höhe gleitet der Blick über Siegen-Mitte mit der Nikolaikirche und dem Krönchen. (Foto (c): presseweller)


Fachwerk, Rubens, klare Quellen


Von Jürgen Weller

Oktober 2012. Es ist die Welt der Niederwälder, die hier Hauberge heißen, der Fachwerkorte, kleiner Täler und dem Quellgebiet von Sieg, Lahn und Eder: das Siegerland. Wo schon die Kelten vor über 2.000 Jahren dem Erz das Eisen abgewonnen haben und der große flämische Maler Peter Paul Rubens im Jahre 1577 das Licht der Welt erblickte, da kann man auf Erkundungstour gehen und den Waldreichtum der Landschaft genießen.
In rund 600 Metern Höhe auf dem Kamm des Rothaargebirges entspringt die Sieg, die dem Land den Namen gab, und die gerade in ihrem jungen Leben mit den Dörfern Walpersdorf und Nenkersdorf eine romantische Tallandschaft zaubert. Außer auf dem Rothaarkamm bestimmen sonst vielfach die Mischwälder mit den Haubergen  das Bild, das sich im Herbst zu einem Farbrausch vereint. Egal, ob man im Freudenberger, Hilchenbacher  oder im Netpher Land, rings um Siegen, Wilnsdorf oder Burbach unterwegs ist: Überall bietet sich im Herbst die beeindruckend bunte Palette. Die Sieg fließt dem Rhein zu, wie die Lahn, die, vom Ursprung auf dem Rothaarkamm aber erst einen weiten Bogen durchs sehenswerte Wittgensteiner Land nimmt, ins Hessenland wie nach Marburg und Wetzlar führt und dann über Limburg und Bad Ems dem Rhein zufließt. Seit Ende September „steht“ auch der Lahnwanderweg, auf dem man rund 290 Kilometer auf Schusters Rappen unterwegs sein kann. Gleichwohl bieten sich für Wanderer der Siegerländer Höhenring und der Rothaarsteig mit verschiedensten Zuwegen an. Außerdem geht es von nahezu jedem Ort auf kurzem Weg zu Wäldern und Wiesen. Den Dreiklang der Flüsse macht die Eder aus, die unter anderem über Bad Berleburg  weiter ins Waldecker Land führt.

Fachwerk und Museen

Zauberhaft sehen die alten Fachwerkhäuser aus, überwiegend schwarz-weiß, aber auch braun-weiß. Besonders beeindruckend sind die Fachwerk-Kulissen in Freudenberg und Hilchenbach. Die Daten führen teils bis übers 17. Jahrhundert hinaus zurück. Die teils mehrgeschossigen Bauten zeugen auch von der Zimmermannskunst der früheren Baumeister. Wer in Freudenberg ist, kann dem Heimatmuseum und dem Technikmuseum einen Besuch abstatten. Die Freilichtbühne des "Fleckens", wie  die Stadt von Einheimischen genannt wird, ist über das Siegerland hinaus bekannt. Wer mehr – meist restauriertes - Fachwerk aus alter Zeit sehen will, muss sonst in die Dorfkerne wie zum Beispiel in Eisern und Neunkirchen  gehen. Schön und informativ ist das Museum in Wilnsdorf, in dem man sich von früheren Handwerken und Geschäften, bäuerlichem Wohnen, vom Grubenleben und dem System der Hauberge und Rieselwiesen, beides Siegerländer Besonderheiten,  ein Bild machen kann. Es geht aber auch in weitaus frühere Zeiten zurück, und so staunen besonders die Kinder, wenn sie die Nachbildung eines lebensgroßen Mammuts sehen. Eine Räumlichkeit ist auch Siebenbürgen und dem Banat gewidmet. Ja, das Museum ist sehenswert.
Von Wilnsdorf gelangt man über Rödgen und die Eremitage nach Siegen, wo man auch dem Jakobsweg folgen kann. Im Oberen Schloss hoch oben auf dem Siegberg, den verschiedenen Geschichtsbeschreibungen nach im Jahre 1259 erstmals erwähnt, thront das von Grünanlagen umgebene fürstliche Domizil, in dem seit über 100 Jahren das Siegerlandmuseum beheimatet ist. Besucher erfahren unter anderem viel über die Fürstengeschichte derer zu Nassau-Oranien. Eine Besonderheit sind die Rubensgemälde. Der Erzbergbaugeschichte gerecht wird das Museum mit einer Stollennachbildung. Dazu geht’s „unter Tage“. Macht Spaß. Freunde modernerer Kunst sind im Museum für Gegenwartskunst neben dem Unteren Schloss, im ehemaligen Telegraphenamt, richtig, etwa zehn Minuten Fußweg vom Siegerlandmuseum entfernt. Das Museum bietet auch laufend Ausstellungen und Führungen.
Zwischen den beiden Museen liegt die altehrwürdige Nikolaikirche, die aufs 13./Anfang des 14. Jahrhunderts datiert und den Chroniken nach seit 1658 das Wahrzeichen der Stadt auf ihrem Turm trägt, das güldene Krönchen – erwachsen aus Siegerländer Schmiedekunst.
Will man über die Berge und Täler, teils bis in den Westerwald,  schauen, bietet es sich an, den Kindelsberg in Kreuztal zu besuchen und auf den Turm zu steigen. Aussichtstürme locken aber auch in Hilchenbach, Gillerturm, und in Eiserfeld mit dem Gilbergturm.  Zwischen  Eiserfeld und Salchendorf liegt der Pfannenbergturm und in Siegen der Rabenhain.
Gemütliche Spazierstrecken  bieten sich auch um die Obernau-Talsperre in Netphen sowie die Breitenbach-Talsperre in Dahlbruch an, zwischen Kreuztal und Hilchenbach.  
Restaurantmäßig bietet das Siegerland Abwechslung. Man kann aus den verschiedensten Küchen probieren. In der Region selbst sind zwar die verschiedensten typischen Gerichte zu Hause, in den Restaurants findet man aber davon meist zumindest noch das „Siegerländer Krüstchen“, also Weißbrotscheibe, paniertes Schnitzel und Spiegelei, dazu Kartoffelsalat und mit anderen Salaten umlegt. Kann aber je nach Lokalität auch anders sein, zum Beispiel mit Fritten statt Kartoffelsalat. In Siegen gibt es, gerade in der Oberstadt, viele gemütliche Gastronomiebetriebe zum abendlichen Ausgehen, hier und da auch mit Musikangebot, teils mit Live-Konzerten, sowie auch ein Nachtangebot mit lange geöffneten Betrieben und Bars.
Für den Urlaub stehen die verschiedensten Unterkünfte zur Auswahl. Es ist ratsam, im Internet direkt auf die Seiten der Orte oder auf die Seite des Touristikverbandes Siegen-Wittgenstein zu schauen. 
Zu den Bahnverbindungen sollte man sich je nach Zielort informieren, mit dem Auto wird das Siegerland am besten über die Autobahn A 45 mit den verschiedensten Abfahrten, von Norden kommend, zwischen Freudenberg über Siegen bis Wilnsdorf erschlossen.
Siegerländisches erfährt man auch über die Seiten www.buch-juwel.de, eine Radtour der Sieg entlang ist unter dem Button „Bike-Click“ auf www.presseweller.de beschrieben.
  

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