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Donnerstag, 7. Juli 2016

Im Kärntner Gailtal: Almbesuche, Radeln, Wanderlust


Die Kühe kommen! Almabtrieb in Rattendorf im Kärntner Gailtal ist ein fröhliches Fest für Gäste und Einheimische. Vom Kastnerhof aus hatten wir quasi einen Logenplatz.  (Foto: Kastner)


Im Spätsommer den Almabtrieb miterleben/ Gemütlich wohnen und die Urlaubstage rundum genießen


7. Juli 2016. Siegen (DiaPrW). Das Gailtal im Südwesten Kärntens schmiegt sich zwischen die meist grünen Kuppen der Gailtaler und die Felsformationen der Karnischen Alpen, gleich unterhalb der Grenze zu Italien. Es ist ein Landstrich mit lieblichen Dörfern, der Naturerlebnis mit nahezu alle Möglichkeiten für Aktivitäten vereint, vom Badespaß im warmen Pressegger See und in Freibädern über Radeln und Wandern bis zum Golf. So spaziert man zum Beispiel in Rattendorf gemütlich über den Wassererlebnisweg oder erwandert sich die Rattendorfer Alm, wo ein schmackhafter Käse produziert wird und man den Bergmassiven von Trogkofel und Zweikofel ein Stück näher ist. Radfreunde steigen in den nahezu eben verlaufenden Gailtal-Radweg ein, von dem man immer wieder in Dörfer abzweigen kann, oder steigen aufs Mountainbike, um herausfordernde Bergstrecken unter die Räder zu nehmen. Für Golfer sind es nur wenige Kilometer zur Anlage „Nassfeld Golf“ in Waidegg.

Im Gailtal gibt es so vieles zu entdecken und zu erleben, dass Familien, Jung und Alt, jeden Tag etwas anderes unternehmen können. Mit ein Grund, warum wir Rattendorf schon so oft mit gemütlicher Unterkunft wie auf dem Kastnerhof als Urlaubsziel hatten. Früher hatte die Jugend einmal einen Spruch kreiert, der so ähnlich hieß wie hier: Wer Rattendorf besteht, kann die Welt bereisen". Muss man aber nicht, weil es reichlich Betätigungsfelder am Ort und im Tal gibt. Ein paar Beispiele dazu: im Nachbarort Tröpolach ist die Talstation der Kabinenbahn, des Millennium-Express'. Die Fahrt hoch übers Nassfeld bis auf fast 2000 Meter zum Kofelplatz ist schön. Oben genießt man die wundervolle Aussicht, die weit über Täler und Berge, im Norden bis zu den Hohen Tauern, geht. Zwischendurch auf Kaffee und Kuchen oder Deftiges einkehren, über den – kinderwagengerechten Weg – runter zum See spazieren oder ein Stück des Karnischen Höhenwegs gehen. Ein Spaß für Jung und Alt ist die rasante Fahrt mit der Sommer-“Rodelbahn“, dem Pendolino. Auf Geraden und Kurven saust man bis zur Tressdorfer Alm mit ihrer Schaukäserei. Nah dabei wartet der NTC Outdoor-Park mit Felsenlabyrinth und mehr. An der Millennium-Express-Station Tressdorfer Alm kann man zurück ins Tal oder auch wieder hoch zum Kofelplatz fahren. Was anderes? Von etwas unterhalb des Nassfeld-Hauptortes kommt man mit der Sesselbahn dem Gartnerkofel näher. An der Bergstation haben Kinder ihren Spaß am Bergspielplatz Almrausch. Klar, dass sich für Wanderer zig Möglichkeiten ergeben. Am späten Nachmittag geht es zurück nach Rattendorf.



Die Rattendorfer Alm kann man sich erwandern, mit dem Mountainbike erobern oder mit dem Auto ansteuern: herrliche Lage, Ausblick bis in die Hohen Tauern. (Fotos u. unten: presseweller)

Freibad, See und Klamm

„Was unternehmen wir morgen oder heute? Diese Frage stellt sich meist abends oder morgens beim gemütlichen Frühstück. Wenn es noch angenehm warm ist, bietet es sich an, per Fahrrad oder Auto das nur wenige Kilometer entfernte Freibad in Kirchbach zu besuchen. Der Pressegger See, ein Stück an Hermagor vorbei, ist ebenfalls mit dem Fahrrad zu erreichen. Wem das kilometermäßig zu weit ist: mit dem Auto. Es gibt auf Süd- und Nordseite Strandbäder. Vor Hermagor zweigt die Straße rechts Richtung Möderndorf ab. Bevor es hoch auf die Egger Alm geht – ein großes Almdorf auf einer weiten Ebene –, sieht man rechts den Eingang zur Garnitzenklamm. Entlang des rauschenden Wassers wandern. Erlebnisreich und mit den Steilwänden beeindruckend. Es gibt mehrere Sektionen. Da es bei den späteren Teilen auch auf Kondition und Schwindelfreiheit ankommt, ist es sehr ratsam, sich vorher zu informieren. 
Nun ist jetzt ohnehin, schwupps, wieder ein Tag vorbei. Man kann man auch Ausflüge einbauen, zum Beispiel zum Weissensee oder mal rüber nach Italien, ins Friaul, auf einen Cappuccino oder eine Pizza oder zum großen Markt in Tarvis. Rattendorf liegt relativ zentral für viele Ausflugsmöglichkeiten, es gibt Möglichkeiten nahezu ohne Ende. Wir finden über so viele Jahrzehnte immer wieder Neues und Sehenswertes.



Durchs Tal verläuft der Gailtal-Radweg.


Bei fröhlichen Festen mitfeiern

Bis in den Herbst hinein gibt es fröhlich-gesellige Brauchtums- und Genussfeste im Tal. Da stehen zum Beispiel noch Kirchtage mit ihrem bunten Programm im Veranstaltungskalender. Trachten spielen bei nahezu allen Festen eine große Rolle. Im „Tal der Almen“, wie der Siegerländer Schriftsteller Georg Hainer das Gailtal vor über 35 Jahren beschrieb, steht auch der Käse im Mittelpunkt, unter anderem der namentlich EU-geschützte Gailtaler Almkäse. Neben den „Käseschauen“ gibt es im Spätsommer in Kötschach-Mauthen das „Käse-Festival“ mit buntem Programm, in diesem Jahr (2016) am 24. und 25. September. Wenn die Almsaison endet, je nach Witterung, steigt in Rattendorf ein besonderes Fest, das Almabtriebsfest. Auf dem Dorfplatz kommt man zusammen und kann bei Musik und guter Stimmung so manches Schmankerl genießen, die bekannte Kärntner Nudel inklusive. Alle warten, bis die geschmückten Kühe mit Sennerinnen und Sennern vom Almweg ins Dorf einziehen. Man hört es an den Glocken. Ein Fremdgefühl? Nein, hier wird seit Generationen der alte Spruch gepflegt: „Urlaub bei Freunden“.

Wohnen? Viele Möglichkeiten
Das Unterkunftsangebot ist vielfältig, von der Ferienwohnung über Camping, die Pension und den Bauernhofurlaub bis zum Gasthaus und Komforthotel. So mancher kennt zum Beispiel den Kastnerhof in Rattendorf mit seiner familiären Betreuung und dem gemütlichen überdachten Treffpunkt am Haus, wo man abends gerne zusammensitzt. Im Haus mit Ferienwohnungen und Pensionszimmern (Kastnerhof, Rattendorf, 9631 Rattendorf/ Jenig, Telefon/ Fax 0043 4285 443, E-Mail kastnerhof@speed.at) kommen Familien mit Kindern, Paare und Alleinreisende zusammen, um zu entspannen, ihren Urlaub zu genießen. 
Das Haus bietet quasi einen Logenplatz fürs Almabtriebsfest. Der Spielplatz und das Café Maier, das auch abends zur Einkehr einlädt, liegen direkt gegenüber. Als wir morgens im gemütlichen Zimmer mit dem traditionellen Kachelofen beim guten Frühstück sitzen, wissen wir schon, was wir heute machen: eine gemächliche Radrunde durchs Dorf und zum Teil entlang der Gail sowie mit dem Auto hoch ins benachbarte Kreuth oberhalb von Jenig fahren und unterhalb der Kreuther Höhe vorbei an grünen Wiesen und Höfen spazieren. Von hier oben gibt es tolle Ausblicke auf die Karnischen Alpen.
Wie es auch sein soll, ob gemütlich, aktiv, erholsam oder zum Entschleunigen: Das Gailtal bietet so viele Möglichkeiten – übrigens auch im Winter mit dem bekannten Skigebiet Nassfeld. (jw)

Infos zum Haus: www.kastnerhof.com
Infos zum Urlaubsgebiet: www.nassfeld.at, E-Mail: info@nassfeld.at

1. Foto oben Almabtrieb in Rattendorf:
Download des Fotos über „Tourismus-Medientexte“ auf www.presseweller.de
Zu weiteren Fotos bitte anfragen

Jürgen Weller, Medienbüro DialogPresseweller, veröffentlicht seit über 35 Jahren Reiseberichte und Informationen zum Gailtal und Nassfeld im Südwesten Kärntens sowie zu den angrenzenden Urlaubsräumen Lesachtal und Weissensee. Reiseberichte und Kooperationen, auch zu anderen Regionen, sind in Tages- und Wochenzeitungen, in Zeitschriften, im Rundfunk und Fernsehen erschienen sowie weit verbreitet im Internet. Aufgrund von rund über 100 Besuchen in der Region sind auch Specials wie zum Almleben und zu Fahrradtouren sowie Magazine und Videos erschienen.

Reiseberichte, Tipps und Hinweise lassen sich zentral über die Seite http://www.presseweller.de aufrufen, über „Tourismus-Medientexte“, „Magazine, Videos, Blogs“ und „Bike-Click“.   

Hinweis: Für Termine keine Gewähr. Örtlichkeiten,incl. Straßenführungen, Fahrtermine von Bergbahnen, Bezeichnungen, Angebote können sich zwischen Erstveröffentlichung und dem Lesen geändert haben. Irrtum bleibt immer vorbehalten. Es ist sinnvoll, sich vorher beim Tourismusbüro bzw. Informationscenter zu informieren. Je nach geplanter Wander-, Rad- oder sonstiger Tour ist es ratsam, zu Wetter- und Witterungsbedingungen Informationen einzuholen. 

Samstag, 23. August 2014

1. Weltkrieg: Museen in Kärnten und Slowenien



Schön sind die Julischen Alpen. Von der Südseite des Vrsic-Passes geht es ins Soca-Tal.

Gebirgsfront in den Karnischen Alpen und im Isonzotal


August 2014. (Dialog/jw). Der Beginn des Ersten Weltkriegs liegt 100 Jahre zurück. Von 1914 bis 1918 starben Millionen von Menschen. Nach dem tödlichen Schuss auf den österreichischen Erzherzog Franz-Ferdinand im Juni 2014 in Sarajewo erklärte Österreich-Ungarn wenig später Serbien den Krieg. Andere Staaten ließen sich mit in den Krieg hineinziehen, in Bündnissen mal auf dieser, mal auf jener Seite. Im Alpenraum bildeten sich in Karnischen und Julischen Alpen sowie in den Dolomiten Gebirgsfronten. Daran erinnern zum Beispiel Museen in Kötschach-Mauthen (Kärnten) und Kobarid in Slowenien.

Die Situation am Hauptkamm der Karnischen Alpen an der Südseite des Kärntner Gailtals und im Norden Friauls einerseits und im slowenischen Isonzo- oder Soca-Tal andererseits eskalierte 1915, weil Italien erst da in den Krieg eintrat und Österreich-Ungarn den Krieg erklärte. Die unschönen Ergebnisse dieses ersten gesamten großen Krieges im 20.Jahrhundert sind weithin bekannt. Vor allem wurden bereits für die damalige Zeit moderne Waffen jeder Art eingesetzt, bis wohl hin zu Giftgas.



In Kötschach-Mauthen im Rathaus ist das Museum 1915 - 1918. (Alle Fotos:(c) presseweller)

Museum im Ort und im Berggelände

Im „Museum 1915 – 1918“ im Rathaus in Kötschach-Mauthen im Kärntner Gailtal können sich Interessierte einen Überblick über die Geschehnisse der Gebirgsfront in den Karnischen Alpen anhand von Fotos, Dokumenten und unterschiedlichsten Exponaten verschaffen. Das wird ergänzt durch das Freilichtmuseum am Plöckenpass, wo auch alte Stellungen, Durchgänge und anderes mehr zu sehen sind und etwas abseits von der Passstraße aus begangen werden kann. An der Passstraße gibt es auch einen Gedenkfriedhof. Wer sonst in den Karnischen Alpen auf Wander- oder Bergtouren unterwegs ist, stößt hier und da ebenfalls auf Reste von Stellungen und Militärwegen. Der Karnische Höhenweg, der teils entlang der österreichisch-italienischen Grenze verläuft, heißt schon lange auch „Weg des Friedens“, Via della Pace“. Diesseits und jenseits der Grenze gibt es seit Jahrzehnten freundschaftliche Treffen. Wer diese Landschaften in Kärnten und Carnia besucht, mag gar nicht glauben, dass der Krieg hier in so idyllischer Landschaft so schlimm gewütet hat.


Ganz schlimm wütete der Krieg im malersichen Soca-Tal (Isonzo).

 

Im Tal des smaragdenen Flusses

So ist es auch im Tal der Soca, des Isonzo, im westlichen Slowenien. In der beeindruckenden Landschaft hat sich während des Ersten Weltkriegs Schlimmes abgespielt. Tote über Tote waren zu beklagen. Es galt vor allem auch wie überall in diesen Regionen, Berge zu erobern, weil man von dort mehr Überblick hatte und die Lage strategisch günstig war. Manche Berichte erzählen davon, dass sich diese so wunderbare smaragdfarbene Soca rot verfärbt hätte mit dem Blut der Verletzten und Getöteten.
Fährt man von Kranjska Gora über den Vrsic, den Werschetz-Pass, in dieses Tal, dann hat auch das eine geschichtliche Bewandtnis. Es war früher eine Militärstraße, die zu Zeiten des 1. Weltkriegs gebaut wurde, und zwar von russischen Kriegsgefangenen. „Schöne Strecke“, erzählt uns ein älterer Mann in gebrochenem Deutsch, „aber Bau war nicht gut, viele Tote.“ Das bestätigt sich, wenn man in Dokumenten und Beschreibungen zur Passstraße nachschaut. Deshalb gibt es am Pass auch eine russische Kapelle, die daran erinnert. Von der Straße aus muss man nur ein paar Meter hochgehen: schauen und innehalten.

In Kobarid im Soca-Tal gibt es das Museum zum 1. Weltkrieg mit zig Fotos und Dokumenten auf mehreren Etagen, in denen man mehr über diese einfach nur schlimmen Schlachten und das Leiden der Soldaten im Soca-Tal erfährt. Es gibt ebenfalls einen Freigeländebereich, wo man direkt vor Ort seine Eindrücke vertiefen kann. Es werden auch Führungen angeboten.

Wer heute im Tal der Soca unterwegs ist, kann sie wieder in ihrer Originalfarbe sehen, smaragdfarben schimmernd und klar. Wer nicht diese wunderschöne Passfahrt über den Vrsic – teils eng und auf der Südseite sehr steil – machen will, kann vom italienischen Cividale in den Ort gelangen oder südlicher von Gorizia aus ins Soca-Tal fahren. Eine Alternative ist der Predilpass, der über Tarvisio im nordwestlichen Italien erreicht wird.

Geschichtsinteressierte, aber auch Urlauber, die in diesen landschaftlich so reizvollen Regionen einfach mal einen Einblick in die damaligen Kriegszeiten haben wollen, haben damit zwei gute Möglichkeiten, sich das einstige Geschehen in Museen und Freilichteinrichtungen einmal gut dokumentiert zumindest in Ansätzen vor Augen zu führen. Ob die Staaten und Menschen daraus gelernt haben, ist wieder eine andere Frage. Schließlich ging es 1939 wieder los. Und wer heute auf die Erde schaut, weiß, in wie vielen Ländern und Regionen es schon wieder Krieg gibt und wie richtig schlimm das für alle Betroffenen ist. (presseweller)

Hinweis: Der Bericht soll nur einen kurzen informativen Überblick für Interessierte zur Gebirgsfront im 1. Weltkrieg und den zwei aufgeführten Museen geben. Insbesondere auch für Urlauber gedacht, die in diesen Gegenden unterwegs sind. Details und anderes überlassen wir den Historikern und Geschichtslehrern, die sich damit auskennen und alles sicher weitaus detaillierter beschreiben und erklären können.
Im gesamten Bereich werden auch weitere Museen und Einrichtungen das Thema 1. Weltkrieg im Bestand haben, außerdem gibt es aus Anlass des Kriegsbeginns vor 100 Jahren in vielen Museen und anderen Einrichtungen, auch in Deutschland, Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Wenn es für alle, die diese Zeiten nicht miterlebt haben, kaum möglich ist, sich in das Leid der Soldaten, der Bevölkerung und in die Zerstörungen hineinzuversetzen, so mag doch die Erkennntnis zurückbleiben: Krieg ist einfach nur schlimm, grausam, zerstörerisch, ganz schlimm!


Dienstag, 24. Juni 2014

Friaul: Berge, Seen und Genuss


Vielfalt im Friaul mit Tarvis, Markt, Bergen, Fusine-Seen der Wander- und Bergtourenlandschaft. (Fotos/Montage: presseweller)


Zwischen Tarvisio und Tolmezzo auf Entdeckungsreise

Von Jürgen Weller

Juni 2014. Siegen. Friuli-Giulia-Venezia, der wohlklingende Dreier-Name zeigt, auch mit der deutschen Bezeichnung „Friaul-Julisch-Venetien“, dass man in diesem Landstrich im Nordosten Italiens verschiedene Landschaftsbilder entdecken kann. Von der Südseite der Karnischen Alpen zieht sich die Region bis an die Adria, östlich schirmen die imposanten Julischen Alpen die Region ab. Hauptstadt ist Udine. Im Westen warten mit dem Monte Croce Carnico und dem Kreuzbergpass kurvenreiche Bergstraßen. Die friaulischen Dolomiten gehören ebenso dazu wie Städte mit reicher Geschichte und sehenswerten Baulichkeiten wie Tolmezzo, Cividale und der bestimmende Fluss, der Tagliamento mit seinem breiten Bett. Aber allein schon der Nordostzipfel, das Dreiländereck mit Österreich, Slowenien und Italien, ist eine Reise wert. Romanische, österreichische und slawische Kultur und Geschichte gehen eine angenehme Melange ein, die sich auch in der Küche widerspiegelt. 

Schon vor Jahrzehnten gab uns ein guter Bekannter in Kärnten den Tipp, mal diese Nachbarregion zu besuchen und mit dem Nordostzipfel von Friaul-Julisch-Venetien zu beginnen. Schon der erste Tagesausflug begeisterte, und so verblieben dieses Fleckchen Erde sowie die gesamte Region bis heute in unserem Reise- und Testprogramm mit dem Vermerk. "immer wieder einmal". Die Schöpfung hat hier eine vielfältige Palette hinterlassen, die sich in grünen Wäldern und Bergwiesen, schroffen Gipfeln, wiesigen Hügeln, Weingärten und pittoresken Dörfern sowie schließlich der blauen Adria zeigt. Was für eine schöne Welt! Es ist ein Landstrich, der die Sinne anspricht  „Bella Italia“ beginnt eben bereits im Norden. An nahezu jeder Ecke lassen sich tolle Landschaftspanoramen entdecken, und hier im Nordosten gibt es außerdem klasse Fahrradwege, wie man sie sonst selten sieht. Zwar huschen viele über die Autobahn Richtung Meer an diesem sehenswerten „Eck“  vorbei, aber es lohnt sich einfach, dieses Fleckchen Erde zwischen Tagliamento und Juliern, zwischen Tarvis und Tolmezzo kennen zu lernen.
Von Norden fahren wir von der Autobahn ab und tauchen vor Tarvis in die italienische, die friulanische, Welt ein. Das Städtchen, Tarvisio, ist relativ bekannt. Aus dem nahen Umkreis ist er wegen seines riesigen Marktes seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel. „Market“ ist auch ausgeschildert. Neben vielem anderen werden hauptsächlich Lederwaren, Schuhe, Jeans, diverse Bekleidung feilgeboten. War der Markt vor über 40 Jahren noch ein Heer von Ständen, änderte sich das im Laufe der Jahre: mal planenüberdachte Einzelstände, dann alles unter einem riesigen Gesamt-„Zelt“ und nun schließlich in einem festen Großgebäude. Man parkt auf der Straße oder auf dem darunter liegenden Parkplatz. Der Basar-Charakter hat sich erhalten: Feilschen ist durchaus erwünscht. Will man den Preis zu sehr drücken, sagt der Verkäufer dann vielleicht in gebrochenem Deutsch: „Mama mia“, „ich Frau und Kinder, muss auch was verdienen“. Ringsum haben sich außerdem viele Fachgeschäfte angesiedelt, von Sport- über Taschen- bis zu Schmuckgeschäften. Früher war es mal ein guter Tipp,  Ringe, Ketten  und Co. in Rotgold sowie Marken-Sportbekleidung in Tarvis zu kaufen. Seit Jahrzehnten gehört für so manche Kärntenurlauber und Durchreisende, die diese Besonderheit kennen, der Besuch des Tarviser Marktes „unbedingt“ dazu: bummeln, shoppen und auf Gutes einkehren. Gelati, Eis, Dolce, Kuchen, Pizza, Antipasti, Pasta und mehr sind keine Frage. Ristorante, Café, Bar und und ... Es gibt so viele Möglichkeiten, Gutes zu genießen, ob Käse aus der Region wie auch den geräucherten Ricotta oder den luftgetrockneten Schinken aus San Daniele, ob ein typisches Frico, eine Art Käse-Gratin, oder eine fein zubereitete Forelle. Für manche gehört zum Tarvis-Besuch auch die Pizza, für andere sind es die Spaghetti. Dazu ein Glas Wein aus Friaul. Vielleicht einen weißen Pinot Grigio oder einen roten Cabernet Sauvignon? Alles ganz nach eigenem Gusto.Obwohl nur ein Katzensprung von der Grenze zu Österreich: Alles ist schon typisch italienisch. Etwas oberhalb des Marktes liegt die Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo (Peter und Paul), deren Ursprung auf das 15.Jahrhundert zurückgeht und in der es alte Fresken zu bestaunen gibt. Wir schlendern hin. Vorplatz und Anlagen ringsum wurden neu gestaltet und laden zum Ausruhen ein. Gut zum Ausspannen nach dem Marktbesuch. 
Etwas weiter auf de Staatsstraße zweigt man nach Sella Nevea ab, dem Höhenort am Fuße des Monte Canin an der Grenze zu Slowenien. Einigen Wintersportlern wird er bekannt sein. Auf „Sommerfrischler“ wartet inzwischen ein Abenteuerpark mit Baumplattformen, Hängebrücken, Stegen und mehr, der "Parco Avventure Sella Nevea". Bekannt ist auch der Wallfahrtsberg, der Monte Lussari, der mit der Seilbahn erreicht wird.

 Die Fusine-Seen sehen

Aber wir wollen noch ein Stück weiter, nehmen die Strecke Richtung „Slovenija“ über erst gut ausgebaute, dann engere Straße unter die Räder. Bis zum Abzweig bei Weißenfels „Laghi di Fusine“, also zu den Fusine-Seen. Rechts ab, weiter hoch. Im Nadelwald und vor der imposanten Kulisse der Julischen Alpen in einem Bergkessel schimmert dann grün der erste See. Teilweise spiegelt sich der Nadelwald. Wunderschön! Mit „märchenhaft“ trifft man es noch besser. Etwas abseits der Straße hört man den Bergfluss, sonst Stille. Ein Spaziergang tut gut. Vorher oder nachher im Gasthof auf Essen oder nur einen Cappuccino, einen Espresso oder ein Aqua Minerale einkehren oder Quartier nehmen, wenn man wandern will. Von hier gibt es viele Möglichkeiten, diese so beeindruckende Berglandschaft zu erkunden, die bereits seit den 1970er-Jahren Nationalpark ist. 
Zum zweiten See fahren wir die Straße noch ein Stückchen weiter bergauf. Weitläufigeres Terrain. Auf der Gasthof-Terrasse sitzen Ausflügler und vor allem Wanderer, die von einer Tour aus den Julischen Alpen zurückgekommen sind. Für Bergwanderungen und –touren bietet sich diese „Station“ an. Still ruht der See. Entspannend nach einer Tour. Wellness kann einfach sein. Die malerischen Laghi di Fusine sind von Bergen umgeben, liegen auf über 900 Meter Höhe unter der Nordwand des über 2.670 Meter hohen Mangart, der vielen Bergtourenfreunden bekannt sein wird. 

Über Pontebba nach Tolmezzo

Um von Tarvis weiter nach Süden zu kommen, muss man keine Autobahn fahren. Für Radler  stehen einige sehr gut ausgebaute Radwege über alte Bahntrassen zur Verfügung und Vergnügung. Das ist schon vorbildlich, wie das gemacht wurde! Mit dem Auto bietet sich die Staatsstraße an. Sie führt bis viel weiter in den Süden teils an der Autobahn entlang. Die Italiener haben aber auch hier viel gemacht, um die Dörfer vom Verkehr zu entlasten. Es gibt fast überall Umgehungsstraßen. Waren vor 40 Jahren an markanten Punkten noch teils sehr große Obst- und Warenmärkte, ist das nun sehr eingeschränkt, weil die meisten Reisenden die Autobahn nutzen. Irgendwie schade, wenn wir an die dicken saftigen Pfirsiche und andere frische Früchte denken, die wir uns als „Nachtisch“ für mittags oder abends auf den Märkten besorgten. Der Lauf der Zeiten.
Wer wie wir mehr Eindrücke von den teils pittoresken Orten haben möchte, sollte von der Umgehungsstraße in die Dörfer abfahren. Wir machen das bei Pontebba. Ehedem hieß der große Ort im Kanaltal in einem Teilbereich auch Pontafel. Das hat seinen Grund: Die Pontebbana, der Bergfluss, bildete einst die Grenze zu Österreich. Die Gesamtregion hat eine reiche Geschichte mit den verschiedensten Zugehörigkeiten im Laufe der Jahrhunderte. Kriege und Abkommen brachten immer wieder Veränderungen. Pontebba liegt am Fuße des Pramollo-Passes, den viele als „Nassfeld-Pass“ kennen. Im Ort sollte man auch in die Gassen außerhalb der Hauptstraße gehen. Schon vor vielen Jahren wurde viele Häuser hübsch saniert. Wie eh und je steht die Pfarrkirche "Santa Maria Maggiore" etwas abseits der Hauptstraße an ihrem Platz. Sie beherbergt einen Flügelaltar aus Anfang des 16. Jahrhunderts. Beschaulich ist’s in Pontebba. Oberhalb des Ortes zweigt man in wunderschöne Taler wie das Aupa-Tal, das Blumental, ab oder zum Lanzenpass, der sich eng entlang der Südseite der Karnischen Alpen windet. Wenn die angedachten Planungen, wie wir sie aus Gesprächen mit Touristikern kennen, umgesetzt werden, ist zu erwarten, dass vom Ort bald eine Bergbahn ins international bekannte Skigebiet Nassfeld führen wird. Dann kann man in der Eissporthalle des Ortes in die Schlittschuhe steigen und später auf dem Nassfeld Pisten bügeln. 
Auf der weiteren Tour durchs Kanaltal sind wir fast in Gemona. Wem der Ortsname nichts sagt: In Gemona und im benachbarten Venzone wütete im Mai 1976 ein zerstörerisches Erdbeben. Da wir kurz danach da waren, wissen wir, wie schlimm das aussah, als mehr oder weniger „kein Stein mehr auf dem anderen“ war. Schon seit vielen Jahren sind die Orte wieder aufgebaut und lohnen einen Besuch. Von hier geht es auch zur Höhenstraße am Fuße der Julischen Alpen, die an vielen Stellen wunderschöne Ausblicke auf die weite Talebene mit dem Tagliamento bietet und von wo man ins Collio gelangt, dem bekannten Weingebiet.
An diesem Abzweig liegt auch er vor uns, der Tagliamento, der Fluss mit dem riesigen Bachbett. Bisher hat man ihn noch nicht in ein Korsett gezwängt, aber es wird eine Frage der Zeit sein, wann auch hier durchgesetzt wird, die Randbereiche zu nutzen. Schade, wenn es so kommen würde. In der Sommerzeit fließt der Tagliamento in einem relativ schmalen Bett und bietet schöne Kies-Strand- und Badeplätze  inmitten ausgedehnter Überflutungsflächen. Junge Leute, aber nicht nur, nutzen das für ihre Freizeitgestaltung. Dem Winter zu und vor allem nach der Schneeschmelze beansprucht der Fluss selbst diese Bereiche. So sollte es sein. In den Gärten der Häuser ringsum findet man schon südliche Blumenpracht, Palmen eingeschlossen. Schön.
Unser Abzweig ist rechter Hand, nach Tolmezzo, einer mit über 10.000 Einwohnern schon etwas größeren Stadt mit Gewerbe- und Industrieansiedlungen an den Randbereichen. Der Ort hat eine reiche über tausendjährige Geschichte mit wechselnden Herrschaften. Unter anderem gibt es die historische Altstadt mit Palazzi und Kirchen sowie den Dom San Martino. Bummeln und schauen!
Wenn wir jetzt auch schon im Carnia genannten Gebiet sind, bleiben wir in der Großregion Friaul. Im Ort weiter westlich kann man, teils über Passstraßen in Richtung Norden oder Süden, in schöne, oft verwunschen wirkende Täler abzweigen, in Richtung Süden auch bis Udine und San Daniele, bekannt für seinen Schinken. In der Gesamtregion gibt es verschiedene deutsche Sprachinseln mit aber einem besonderen Dialekt. Unsere Tour führt uns noch weiter nordwestlich bis Arta Terme Richtung des Passes Monte Croce Carnico, den Plöckenpass: Weingärten, Marmorbrüche, Almen, wunderschöne Landschaftspanoramen: beeindruckend. Hier endet diese Tour. Aber natürlich werden wir noch mehr von Friaul-Julisch-Venetien sehen. Das aber ist einem weiteren Reisebericht vorbehalten. 

Ein paar Tipps

Im Kanaltal zwischen Tarvis und Pontebba gibt es einen Laden mit frischem Käse und anderen Milchprodukten. Ein bekannter Käse ist der Montasio. Im Original entsteht er auf den Almen im Nordosten der Region.
Auf dem Weg zwischen Pontebba und Tolmezzo gibt es rechtsseitig eine urige Hähnchenbraterei, in der immer viel Betrieb ist. Das Besondere: Alles wird über Holzfeuer gegrillt. Fährt man vorbei, sieht man draußen schon die großen Holzscheitstapel.
Auf dem Weg von Tolmezzo zum Monte Croce Carnico zweigt man kurz vor Timau links ab Richtung Suttrio zur kommunalen Molkerei, Latteria. Diese liegt direkt links an der Zufahrtsstraße zum Ort. Es gibt jüngere und ältere Hartkäsesorten von den umliegenden Almen und Höfen sowie vieles mehr. Ist man auf dem Heimweg, kann es sich lohnen, das eine und andere mitzunehmen. Uns schmecken diese bodenständigen Käsesorten, die auch preislich vertretbar sind, einfach nur gut. Der Ort selbst, der etwas oberhalb am Hang liegt,  ist beschaulich. Einen Abstecher machen.             (DialogPresseweller)                                       
Internetadressen für weitere Informationen: www.turismofgv.it, www.tarvisiano.org; Reiseberichte zu unterschiedlichen Zielen auch immer über http://www.presseweller.de
Für Radler gibt es auch Tourenbeschreibungen, die von Kärnten ins Friaul führen, auf presseweller.de unter dem Button "Bike-Click" oder über http://www.bikeclick.de. Außerdem im Büchlein "Familienradeln und Mountainbiken - Ostalpen/Südliche Kalkalpen beim Verlag Buch-Juwel, www.buch-juwel.de
Die Fotomontage kann bei presseweller angefordert werden. Einzelfotos auf Anfrage. 
Über die Webseite können auch verschiedene vier- bis sechsseitige Reisemagazine zum Blättern eingesehen werden.