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Freitag, 25. August 2017

Voll geil, das Gailtal: Almen, Berge, Abenteuer


In Herbstfarben, Teil des Oberen Gailtals. (Alle Fotos: Presseweller)


Liebliche Landschaft im Südwesten Kärntens


August 2017 (DiaPrw). Spätestens nachdem wir Urlaubstage am Starnberger See und am Kochelsee in Oberbayern verbracht hatten, waren die Alpen für uns ein Sehnsuchtsziel. So ist es irgendwo in den Gehirnwindungen der Kindheit abgelegt. Bei Otto war es ähnlich. Er schwärmte nach dem Urlaub im Kärntner Gailtal vom felsigen Berg, den er und Familie aus ihrem Pensionszimmer sahen, von der Gail mit den kleinen Kiesbänken und vom nahen Pressegger See. Das untermauerte er damals mit seiner imposanten Diavorführung, womit er auch uns Lust auf diese Landschaft machte. Wie schön ist doch die Welt! Nach einigen Beratungen in den Folgewochen folgten wir seiner Empfehlung, uns für das nächste Jahr zusammen mit seiner Familie für den Sommer anzumelden. Und wir gewannen noch eine weitere befreundete Familie dafür. Man schrieb das Jahr 1961, und wir Kinder waren begeistert dabei. So machten wir uns im Sommer 1962 mit drei Autos auf die damals lange Reise. Die Begeisterung für die liebliche Landschaft hat sich bei allen über mehrere Jahre gehalten. Bei uns ist das bis heute so.



Das war und ist der Fensterblick: auf den Zweikofel in den Karnischen Alpen. 

Um ein Zimmer im Sommer zu bekommen, musste man sich früher bereits zur Weihnachtszeit anmelden. Vieles hat sich seitdem geändert, aber das liebliche Tal mit seinen Dörfern und Almen begeistert uns noch immer. Schaut man im Dorf, in Rattendorf, in diese Richtung aus dem Fenster, ist der Berg noch stets vor Augen, der knapp 2060 Meter hohe Zweikofel, dem sich das Zuckerhütl anschließt, hinter dem dann der mächtigere Trogkofel liegt. Die Landschaft ist zauberhaft, die Menschen sind gastfreundlich und nett,. „Urlaub bei Freunden“. Bis in den Spätsommer bietet sich für alle „Urlaub nach Gusto“ an. Wasserratten haben viele Möglichkeiten, beispielsweise im Bad Kötschach-Mauthen, im Freibad Kirchbach, im Naturschwimmbad Radnig und im Erlebnis-Naturbad Vorderberg, Gemeinde St. Stefan. Und natürlich lockt der warme Pressegger See mit seinen Strandbädern und Liegewiesen. Aber auch der Herbst ist wunderschön.

Baden, Boot fahren und mehr

Der Pressegger See erstreckt sich etwa zwischen der Bezirksstadt Hermagor-Pressegger See und St. Stefan. Oft haben wir ihn erkundet und auf der Südseite wie auf der Nordseite unseren Badespaß gehabt. Hin und wieder haben wir uns ein Boot geliehen, um mit Muskelkraft über den See zu schippern. Vor allem dem Osten zu schließt sich ein großer Schilfgürtel an, in dem Vögel wie der Teichrohrsänger und andere beheimatet und wo die unterschiedlichsten Pflanzen anzutreffen sind. Im Norden hat man die Gailtaler Alpen mit dem über 2100 Meter hohen Spitzegel im Blick, im Süden die Karnischen Alpen. Angeschlossen ist der 1. Kärntner Erlebnispark, sodass es reichlich Gelegenheiten für Spiel und Sport gibt.


Klein, aber groß genug für Wasserspaß: der Pressegger See. 

Der See, den die Einheimischen liebevoll „Gailtaler Badewanne“ nennen, lässt sich gut mit dem Auto erreichen. Es gibt einen großen Parkplatz. Viele kommen mit dem Fahrrad. Das Gailtal verfügt mit dem Gailtal-Radweg, R3, der von Kötschach-Mauthen bis bei Villach führt, über gute Möglichkeiten für Radler.


Der Gailtalradweg eignet sich auch gut für Familien.


Erlebnisreich: Almen
Mit dem Fahrrad oder besser mit dem Mountainbike lassen sich die Almen erkunden. Aus den Taldörfern muss man zu den Sennereien in den Karnischen Alpen jeweils rund zwölf Kilometer bergauf einkalkulieren. Teils steiler, aber meist kürzer, sind die Wege zu den Almen in den Gailtaler Alpen. Einen imposanten Blick zum höchsten Berg der Gailtaler Alpen, dem über 2370 Meter hohen Reißkofelmassiv, hat man von der Reisacher Jochalm. Der massige Berg scheint „direkt gegenüber“ zu liegen. Die andere Möglichkeit ist, sich die Almen zu erwandern, was vor Jahrzehnten noch Standard war. Einige Stunden – je nach Gehtempo – ist man unterwegs. Dabei geht es oft schattig durch Wälder und teils an Bergbächen vorbei. Hier und da bieten sich tolle Ausblicke aufs Tal. Seit vielen Jahren sind die meisten Almen mit dem Auto erreichbar.
Entdecken Sie die Vielfalt. Schon vor Jahrzehnten wurde das Gailtal als „Tal der Almen“ beschrieben. In den Bergsennereien wird meist die Milch direkt verarbeitet. Der würzige Gailtaler Almkäse g. U (geschützte Ursprungsbezeichnung) halt viele Freunde, aber auch Topfen, das ist Quark, den es in Variationen gibt, und Joghurt gehören zu den Produkten. Bei einem Almbesuch sollten Sie sich eine deftige Jause nicht entgehen lassen. Außer Käse und Brot gehören meist auch Hauswürstel, eine Art Mettwurst, und Gailtaler Speck g. g. A. (geschützte geografische Angabe) dazu. Alles köstlich! Vielleicht können Sie sich auch das Käselager zeigen lassen, wo die Käse-Laibe reifen. Almkäse, Speck und mehr finden Sie ebenfalls auf Bauernmärkten wie in Hermagor. Ihr Gastgeber wird Ihnen sagen können, wo und wann Bauernmarkt ist. Genießen Sie Regionales.


Da reift der würzige Almkäse, bodenständig, regional, lecker!


Von den Almen aus bieten sich die verschiedensten weiteren Wanderungen an. Naturfreunde schauen sich die reiche Blumen- und Gräserwelt an. Je nach Witterung endet die Almsaison teils schon Anfang September. Es ist schön, einen Almabtrieb mitzuerleben. In Rattendorf ist der – mit Bauernmarkt und mehr – für 2017 auf den 9. September terminiert.

Auf Abenteuerspuren
Wohin soll es mit dem Mountainbike gehen? Vielleicht einmal den Nassfeld-Pass bis zur italienischen Grenze unter die Pedale nehmen? Im Gailtal finden Sie zig herausfordernde Strecken, laut den Webseiten-Angaben des Tourismusbüros lockt alleine am Nassfeld ein Wegenetz mit 31 Strecken. Nach dem Aufstieg verlocken die Abfahrten. So lassen sich zum Beispiel von der knapp 2000 Meter hohen Madritsche knapp zwölf Kilometer, oft auf Schotterfahrbahn, bis ins Tal abspulen. Praktisch: Die Tour kann ohne eigenen Aufstieg oben beginnen. Dafür gibt es den „Lift- und Bike-Giro“: Das Bike in der Bergbahn Millennium-Express, Talstation Tröpolach, mitnehmen. Endstation ist auf der Madritsche. Dann, vielleicht nach einer kurzen Rast, auf zum Radspaß ins Tal. Von verschiedenen Ausgangspunkten sind auch grenzüberschreitende Touren nach Italien möglich. Die Herausforderung von Bergtouren brauchen wir nicht mehr. Wir radeln ab und zu gemütlich ein Stück des familiengerechten Gailtaler Radwegs oder drehen eine Runde im Dorf.
Hinweis für Radler: Es bestehen auch Leihmöglichkeiten für Räder und E-Bikes. Ob Radtour, Wanderung, Motorrad- oder Autofahrt: Im Grenzgebiet ist es immer wichtig, die Ausweispapiere dabei zu haben sowie bei Kraftfahrzeugfahrten den Führerschein und Autopapiere!
Ein Spaß ist auch stets die Abfahrt mit der Sommerrodelbahn „Pendolino“ von der Madritsche bis zur Tressdorfer Alm. Läuft gut!
Fahren Sie mit dem Millennium-Express bis zur Tressdorfer Alm, lässt sich von dort leicht der NTC-Outdoorpark mit Felsenlabyrinth und Flying Fox erreichen. Im Felsenlabyrinth stehen unter anderem zwölf Parcours durch Wald und Felsen zur Auswahl.


Von der Tressdorfer Alm geht es zum NTC-Outdoorpark. 

Ganz nach persönlichem Wunsch sind überall natürlich Bergwanderungen und -touren möglich, zum Beispiel eine Etappe über den Karnischen Höhenweg, den „Friedensweg“. Planen Sie mehrere Stunden vom Nassfeld zur Rattendorfer Alm oder umgekehrt ein. In Kötschach-Mauthen steigen Sie seitlich des Plöckenpasses bei der Valentinalm in einen herausfordernden Weg ein, der in einer mehrstündigen Wanderung zum Wolayersee im Lesachtal führt. Immer wichtig ist es, die Wetteransagen schon vor einer Tour zu verfolgen oder sich örtlich zu informieren. Sofern Ihnen der Weg unbekannt ist, fragen Sie im Tourismusbüro oder in ihrem Gastbetrieb. Zumindest wird man Ihnen Ansprechpartner nennen können. Gutes Kartenmaterial sollte man immer dabei haben. Unsererseits wurden die Wege Nassfeld – Rattendorfer Alm bereits in beiden Richtungen gegangen sowie der Weg Plöcken – Wolayersee. Die Bergwege sind zum Teil schmal. Für viele Strecken sollte man schwindelfrei sein.
Hinter Möderndorf bei Hermagor ist der Einstieg in die Garnitzenklamm, in der wir schon mehrmals einige vordere Etappen begangen haben. Hohe Felsen, rauschender Bach, teils schmale Wege mit Drahtseilen zum Festhalten malen Schluchtenbilder. Es gibt mehrere Sektionen mit ansteigenden Schwierigkeitsgraden. Am besten informieren Sie sich im Eingangsbereich an der Kasse.
Mit Kindern empfehlen sich leichte Wanderungen über Almwege oder im Tal durch Wiesen und entlang von Bächen. In manchen Dörfern bieten sich Spielplätze an. Auf dem Nassfeld locken Themenspielplätze, die sich zum Beispiel rund um die altbekannten Comic-Figuren Fix und Foxi drehen. Da wird der Nachwuchs seine Freude haben.

Unterhaltung und Geschichte
Bis in den Herbst hinein kann man sich auf verschiedenen Festen vergnügen, zum Beispiel beim Apfelfest in Kirchbach am ersten Sonntag im Oktober, beim Kufenstechen in Egg oder beim Käsefestival in Kötschach-Mauthen, das in diesem Jahr 2017 auf das Wochenende 23./ 24. September terminiert ist – Unterhaltungsprogramm inklusive.


Beim Käsefestival in Kötschach-Mauthen gibt's feine Produkte und Unterhaltung.

Wenn Sie auf Geschichtsspuren wandeln wollen, schauen Sie sich im Museum „1. Weltkrieg“ im Rathaus in Kötschach-Mauthen um. Alleine von den Bildern her kann man erahnen, welche Mühen und Qualen die Soldaten hoch oben im Berg an dieser ehemaligen Frontlinie auf sich nehmen mussten. Zahlreiche Exponate veranschaulichen die damalige Ausrüstung. Wir wurden nachdenklich und waren beeindruckt. Eine Ergänzung dazu liefert das Freilichtmuseum am Plöckenpass mit alten Stellungen, engen Durchgängen und vielem mehr.
An Erdgeschichte und Fossilien Interessierte sind in Dellach im Besucherzentrum GeoPark Karnische Alpen richtig. Lassen Sie rund 500 Millionen Jahre Erdgeschichte Revue passieren. Bei Wanderungen in den Karnischen Alpen sind wir schon häufig auf Fossilien mit Farnen und Muschel-Eindrücken gestoßen. Ja, damals war das Meer hier!
Im Schloss Möderndorf bei Hermagor bietet das Gailtaler Heimatmuseum einen reichen Einblick in die Geschichte, Kultur und Traditionen des Tales. Zu den Exponaten gehören unter anderem auch eine alte Luther-Bibel und ein versteinerter Baumstamm.
In Nötsch stehen das Schloss Wasserleonburg sowie das Museum des Nötscher Kreises. Der bekannten Künstlergruppe gehörten vier Maler an, unter anderem Franz Wiegele. Aufgrund eines unserer früheren Berichte wissen wir zur schönen Schlossanlage Wasserleonburg noch, dass hier einst der wegen seiner Heirat abgedankte britische König Edward VIII. mit seiner Frau Wallis Simpson seine Flitterwochen verbracht hat. So „klein“ war schon damals die Welt – ein Stück vor Mitte des 20. Jahrhunderts.
Für Motorrad- und Autoausflüge gibt es außerdem zig lohnende Ziele, ob in Kärnten oder in den angrenzenden Ländern Italien und Slowenien. Für Motorbiker bieten manche Hotels außer passenden Einrichtungen auch viele Infos und zum Teil begleitete Touren an.
Wenn Sie einen großen überdachten Markt mit allen möglichen Sachen besuchen wollen, dann empfehlen wir Tarvisio, nur ein paar Kilometer hinter der italienischen Grenze bei Arnoldstein/ Thörl-Maglern. Tarvis empfiehlt sich auch zum Bummeln und Einkehren. Mit genügend Zeit kann man auch eine Radtour dorthin einplanen. 

Auf gute Einkehr
Überall im Tal finden Sie Einkehrmöglichkeiten in traditionellen Gasthöfen und Restaurants und in neueren Lokalitäten. In vielen sind wir bereits eingekehrt, einschließlich des Restaurants Kellerwand von Sissy Sonnleitner in Kötschach-Mauthen. Ja, nahezu überall hat's gut geschmeckt, "gepasst". Deshalb geben wir auch keine „Spezialtipps“ ab. Gerne sind wir dort, wo auch Traditionelles wie die „Kärntner Nudel“ sowie Speisen mit Produkten aus der Region serviert werden. Probieren Sie mal wieder einen deftigen Schweinsbraten oder entscheiden Sie sich für Vegetarisches. Sie werden in vielen Dörfern ebenso fündig wie in Kötschach-Mauthen und Hermagor. Im Vorjahr waren die Preise ähnlich wie in Deutschland.



Ganz nach Gusto:Kärntner Nudel und deftiger Schweinsbraten mit gemischtem Salat. 


Von Camping bis Hotel
An Unterkünften steht Ihnen die gesamte Bandbreite zur Verfügung: Campingplätze, auch im Winter, Ferienwohnungen (FeWo), Bauernhöfe und Privatpensionen, Gasthöfe, Hotels bis zu Wellnesshotels. Zum Teil werden auch Extras wie begleitete Motorradtouren, Radtouren und Wanderungen geboten. Wir haben quasi schon alle Wohnarten genutzt und waren bisher sehr zufrieden. Meist nehmen wir auch wieder Quartier bei einem der vorherigen Betriebe. 
Auf Preisangaben verzichten wir, weil sie sehr unterschiedlich sind. Sie finden meist FeWos und Pensionen, die für Familien durchaus erschwinglich sind, und auch Hotelpreise, die im Rahmen liegen. Klar, in den Anfängen haben wir in der privaten Bauernhofpension noch um die 21 Schilling, etwas über drei D-Mark, für Übernachtung mit Frühstück gezahlt. Die Zeiten sind längst vorbei. Nur zum Vergleich: Heute lässt sich ein weitaus besser ausgestattetes Zimmer ab um die 30 Euro finden. Auf den Internetseiten der Orte oder der Region (www.nlw.at) finden Sie Anbieter. Klicken Sie von da direkt, soweit vorhanden, zur Webseite des Betriebes. Größere Einzelorte im oberen Talbereich und bis hinter Hermagor sind: Kötschach-Mauthen, Dellach/ Gail, Kirchbach, Hermagor, St. Stefan/ Gail, Nötsch, Feistritz/ Gail.



Die Gail, hier im Frühherbst, gab dem Tal den Namen.

Ob Aktiv- und Erlebnismöglichkeiten, Unterhaltung, Geschichte und anderes: Aufgrund der Vielfalt sind jeweils nur einige Beispiele angegeben. Es gibt so vieles mehr, das das Erkunden und Anschauen lohnen. Wir waren bereits an die 100-mal dort, haben so vieles gesehen und entdecken doch immer wieder Neues und sagen „Da waren wir noch gar nicht“. In einem Lied zum Gailtal heißt es: Stets wenn ich in den Bergen bin, denk ich an mein Tal, liegt im tiefen Kärnten drin, grüß es viel tausendmal. Das ist mein Gailtal ...“.



Immer ein Augenschmaus: die weiten Ausblicke, hier über die Rattendorfer Alm hinweg.


Es ist ein lieblich Tal der ungezählten Urlaubsmöglichkeiten, das auch reichlich Platz zum Ausspannen bietet. Wir sind jedes Mal neu begeistert. Es ist für uns zur „Urlaubsheimat“ geworden. Wir danken Otto, der 1961 die Idee hatte, alle gemeinsam ins Kärntner Gailtal zu fahren. (jw)

Anfahrt-Hinweise
Wir beginnen in München, weil sich die Zufahrten aus dem Südwesten, Norden und Osten anders gestalten als aus dem Westen. Kilometer ab München, je nach Anfahrtsroute und Zielort, ca. 280 km. Wahl 1: Autobahn Richtung Salzburg, Tauernautobahn. Entweder bis kurz vor die italienische Grenze (Südrast), Abfahrt Hermagor, Karnische Region usw. Über Thörl-Maglern, Arnoldstein und Gailtalzubringer sind Sie dann schon direkt mittendrin im Gailtal.
Alternativ: je nach Urlaubsort Abfahrt bei Feistritz/ Drau Richtung Hermagor. Über die Windische Höhe – teils enge Passstraße – gelangen Sie auf die Gailtalbundesstraße. Dann je nach Ziel Richtung Westen oder Osten abbiegen.
Wahl 2: Autobahn Richtung Salzburg bis Inntaldreieck, dann abbiegen Richtung Innsbruck. Bis Kufstein-Süd. Teils Kreiselverkehr. Dort der Beschilderung Felbertauern folgen. Über Pass Thurn und Mittersill durch den Felbertauerntunnel nach Lienz (Kreisel), dort Richtung Oberdrauburg. Dort rechts Richtung Kötschach-Mauthen usw. abbiegen und über den Gailbergsattel (starke Kuren und Kehren) fahren. Am Fuß erreichen Sie Kötschach-Mauthen und sind im Gailtal.
Da es in Österreich außer für die Autobahn auch Maut für bestimmte „Schnellstraßen“ gibt, empfehlen wir auf jeden Fall, sich vor der Einreise eine Mautvignette (Pickerl) zu kaufen und sie anzubringen. Die Mautkarte ist weitaus günstiger, als die eventuelle hohe Strafzahlung. Für die Tunnels auf Tauernautobahn und Felbertauernstrecke sind zusätzlich Mautgebühren zu zahlen. Das ist auch so, wenn man die Passfahrt über die Großglockner-Hochalpenstraße genießen will.

Nützliche Links
Zu einzelnen Orten, Unterkunftszusammenstellungen, Veranstaltungen und mehr gelangen Sie zentral über die Seite: www.nlw.at
Nassfeld – auch ein bekanntes Winterrevier: www.nassfeld.at
Für Radler/ Biker: Verschiedene Touren auch aus Kärnten und zum Teil länderübergreifend:

Reiseberichte und Magazine, teils auch zum Südwesten Kärntens und länderübergreifend
Text/ Fotos/ Repros: Alle Urheberrechte © 2017 bei presseweller. Es gilt deutsches Urheberrecht. Fotos aus verschiedenen Jahren/ Jahrezeiten. Keine Gewähr für Termine, Aktualität der Örtlichkeiten, ebenfalls keine Gewähr für Straßen- und Wege-Befahrbarkeiten.Zu Almen ist es ratsam, sich zu Saison-Schlusszeiten zu informieren sowie bei Bergbahnen zu den einzelnen Fahrtzeiten und ebenfalls zu den Saison-Schlusszeiten.Textveröffentlichungen nur unter Beibehaltung der Kürzel DiaPrw und jw oder mit dem Hinweis presseweller. Bei Abdruck erbitten wir Link-Angabe oder PDF. Originalfotos für Print-Abdrucke senden wir gern. Es stehen außerdem zwei Infotafeln zu Bergen der Umgebung und Almen zur Verfügung. Bitte zu Konditionen anfragen.  

Freitag, 14. April 2017

Natur und Kultur: Bergidyll Lesachtal in Kärnten


Wandern und Erlebnis zwischen Karnischen Alpen und Lienzer Dolomiten




Zwischen Karnischen Alpen (Foto) und Lienzer Dolomiten: Das Lesachtal im südwestlichen Kärnten bietet eindrucksvolle Bergkulissen. (Alle Fotos: (c) presseweller)


14. April 2017. (DiaPrw). Ein alter Freund nahm uns einst mit ins Lesachtal, das wir bis dahin nur von einer Durchfahrt her kannten. Wir wohnten beim Paternwirt in Maria Luggau. Oben in Nostra auf der Nordseite der Karnischen Alpen zeigte unserer Freund uns sein Elternhaus und lud uns zu einer „Jause“ ein, manchmal auch „Marende“ genannt. Wir genossen Speck, Wurst, Almkäse und Bauernbrot sowie den Ausblick aufs Tal und die beeindruckende Berglandschaft. Hört oder liest man übers Lesachtal im Südwestzipfel Kärntens, dann verbinden sich schnell einige Begriffe damit: Naturtal, Wolayersee, Maria Luggau und alte Mühlen. Dann kommen schon Wandern, Bergtouren, Ruhe. Inzwischen oft von uns bereist, vermitteln im Hochtal sattgrüne Bergwiesen und beschauliche Dörfer ein entspannendes Gefühl. 

Nein, gar so klein ist das Tal nicht. Von Kötschach-Mauthen im Kärntner Gailtal zieht es sich auf die Höhe und durch viele Orte über das Tiroler Gailtal bis ins Drautal, etwas nördlich von Sillian.
Während der Fahrt durchs Lesachtal lassen uns die die Wiesen und sattgrünen Matten nicht los, und irgendwo weit vor uns erhebt sich ein Kirchturm. Davon gibt es einige, schließlich pilgern von Kötschach-Mauthen, wo der „Gailtaler Dom“ bereits von Glaube und Frömmigkeit erzählt, so manche zu Fuß ins Hochtal. „Jedes Jahr geht’s in die Luggau“, erzählen sie uns, womit sie damit den über 1170 Meter hoch gelegenen Ort Maria Luggau, die Basilika Maria Schnee und das Servitenkloster meinen. Wie Anton Oberguggenberger jun. auf seiner Webseite maria-luggau.at schreibt, kommen pro Jahr zirka 60 Wallfahrtsgruppen sowie viele Einzelpilger.


Die Basilika Maria Schnee in Maria Luggau ist ein beliebter Wallfahrtsort. 


 Längst haben Wanderer und Bergtourengeher das Lesachtal, vor vielen Jahren als „naturbelassenstes Tal Europas" ausgezeichnet, für sich entdeckt. Kein Wunder, haben sie schließlich die Wahl, auf der Nordseite die Lienzer Dolomiten unter die Wanderschuhe zu nehmen und auf der Südseite in die Bergwelt des Karnischen Hauptkamms einzutauchen, hart an der Grenze zu Italien. Tradition und Brauchtum haben hier ihren Platz, zum Beispiel für Freunde der Volksmusik. Viele werden bereits den Namen der Musikantenfamilie „Lexer“ gehört haben, die auch den gleichnamigen „Musikhof“ betreibt. Im Ort Liesing gibt es sogar eine Volksmusikakademie.
In einem Taleingang in Maria Luggau stehen außerdem alte – restaurierte – wasserbetriebene Mühlen. Dazu passt, dass hier traditionell noch Brot gebacken wird. Viele Brauchtumsfeste runden das Heimat- und Traditionsbewusstsein ab.



Wie ein Auge liegt der Wolayersee in den Bergen.

Von Bergen umsäumt: Wolayersee

Für Wanderfreunde gibt es zig Möglichkeiten, die Landschaft zu erkunden. Beliebt ist die Tour zum Wolayersee, der wie ein „Auge“ malerisch zwischen den Felsen liegt. Man erreicht ihn von Birnbaum aus über das Dorf Nostra. Von dort gibt es noch ein Fahrstraße bis zum großen Parkplatz, wo die kleine Hubertuskapelle steht. Von hier geht es über Wege rund sieben Kilometer meist bergauf, bis der See in den Blick kommt. Mit der Wolayerseehütte besteht die Möglichkeit, einzukehren und sich zu stärken. Wie wäre es mit einer Kärntner Brettljause oder einem Wiener Schnitzel? Für diejenigen, die von hier weitere Touren in die berauschende und geschichtsträchtige Bergwelt unternehmen wollen, bestehen in der Hütte auch Übernachtungsmöglichkeiten (wolayerseehuette-lesachtal.at).
Eine längere und anstrengendere ausprobierte Wanderung begann für uns an der Valentinalm. Der Weg dorthin zweigt am Plöckenpass, oberhalb von Kötschach-Mauthen, ab. Von dort führt die bergige Route an der Kellerwand (bis über 2700 Meter) vorbei. Man sollte schon für mehre Stunden fit sein.
Die gesamte Region ist übrigens erdgeschichtlich interessant. Im weitläufigen Geopark Karnische Alpen lässt sich manches entdecken. Unsere Fossilienfunde mit Farnen und Muschelabdrücken hüten wir seit Jahrzehnten.



Am Weg vom Dorf Nostra aus im Wolayertal steht die Hubertuskapelle. Daneben gibt es einen Parkplatz für Wanderer und Spaziergänger.


Einst mit Badehütte - heute Wellnesshotel

Schon vor Jahrzehnten lernten wir das Tuffbad kennen, damals noch mit dem alten Alpengasthof und natürlich dem besonderen Mineralwasser, bei dem es sich den damaligen Hinweisen und den allgemein zugänglichen Veröffentlichungen nach um Magnesium-Sulfat-Hydrogencarbonatwasser handelt. Den Quellbereich hatten bereits Mitte des 18. Jahrhunderts Mönche des Luggauer Servitenklosters entdeckt. Nach Badehütte und Alpengasthof gibt es seit bereits einigen Jahren hier das „Almwellness-Resort Tuffbad“, ein Vier-Sterne-S-Haus. Natürlich spielt das gute Wasser auch hier eine wichtige Rolle. Das Tuffbad liegt am Südabfall der Lienzer Dolomiten. Von der Hauptstraße zweigt man bei St. Lorenzen ab.



Wandern, Bergtouren machen und Almen entdecken.


Wandern, Radeln und Wassersport

Das weitgehend naturbelassene Lesachtal ist zweifellos ein El Dorado für Wanderer sowie ebenfalls für Bergtourengeher und Bergsteiger. Zum großen Teil entlang des Kamms verläuft der Karnische Höhenweg, der Friedensweg, Europäischer Weitwanderweg 10. Er führt bis Sillian in Osttirol. Wen es interessiert: Geschichte des 20. Jahrhunderts hat hier ihre Spuren hinterlassen. Der Kamm der „Karnischen“ war im Ersten Weltkrieg umkämpftes Frontgebiet. So idyllisch die Natur ist: Krieg kennt keine Grenzen.
Vom Lesachtal weg in den westlichen Gailtaler Alpen geht es über den Gailtaler Höhenweg weit ins Gailtal bis zur Windischen Höhe und entlang des mächtigen Reißkofels, dem höchsten Berg der Gailtaler Alpen. Tipp: Es lohnt sich, ab dem sonnigen Frühling die Mussen zu erwandern, in Nähe des Gailbergsattels: eine bunte Mischung aus vielen und heute auch seltenen Blumen!

Für Fahrradfahrer geht es auf und ab. Je nach Strecke ist schon ein gutes Stück Kondition gefordert. Im Büchlein „Familienradeln und Mountainbiking, Ostalpen und Südliche Kalkalpen“, erschienen im Verlag Buch-Juwel, ist auch die Strecke durchs Lesachtal beschrieben. Mountainbiker können aber von nahezu jedem Ort aus herausfordernde Strecken unter die Pedale nehmen. Für den Autoverkehr sind viele der Gräben – kurvenreich runter und wieder rauf – inzwischen überbrückt. Wir haben auch noch die alten Straßen kennengelernt.
Wassersportler können im Tal zum Beispiel Kajaktouren unternehmen. Auf der östlichen Seite Richtung Kötschach-Mauthen fordern die Wasser der Gailschlucht zum früher oft beschriebenen Canyoning heraus.


Blumen und Kräuter am Wegesrand entdecken.Natur genießen.


Einfach mal entspannen

Diese wunderschöne Landschaft lässt sich je nach eigenem Interesse nicht nur für größere Aktivitäten nutzen. Sie bietet sich geradezu dafür an, Spaziergänge zu machen, die mild-würzige Bergluft zu genießen, abzuschalten, den Alltagsstress zu vergessen und zu relaxen, Körper und Geist zu entschleunigen. Man hat sich dem „Slow Food Travel“ verschrieben. Alles etwas langsamer. Das Essen genießen. Beim Kornmahlen oder Brotbacken dabei sein, Kräuter entdecken oder sich die „Heumilch“ auf der Zunge zergehen lassen: Vieles ist möglich. Es dazu auch attraktive Pauschalen.



Dem Rauschen des Wasserfalls lauschen. Natur pur genießen.


Das Lesachtal bereisen wir immer wieder einmal gerne. An Unterkünften haben Urlauber die Wahl zwischen Ferienwohnungen, Pensionen, Gasthöfen und Hotels, auch spezielle wie Wanderniki (www.wanderniki.at) in Liesing-Obergail,und Almwellness-Hotel in St. Lorenzen-Tuffbad (www.almwellness.com). In dieser beeindruckenden Berglandschaft des Lesachtales schauen wir zwar stets gerne nach links und rechts, jedoch ohne Hektik. Wir genießen einfach diese Natur- und Kulturlandschaft und freuen uns auf Bodenständiges bei der Einkehr.


Tauchen Sie ein in die abwechslungsreiche Lesachtaler Bergwelt. 


Anfahrt aus Deutschland

Je nach Abreiseort über den „direkten“ Weg: Kufstein, Kitzbühel, Mittersill, Felbertauernstraße (Maut), Lienz. Im Kreisel Weg 1 Richtung Sillian/ Italien. Vor Sillian zweigt links die Straße ins Tiroler Gailtal/ Lesachtal ab. Weg 2: Im Kreisel wie vor die Abfahrt Richtung Oberdrauburg, Spittal nutzen. Auf der Straße wird die Grenze nach Kärnten passiert. In Oberdrauburg rechts ab Richtung Kötschach-Mauthen/ Gailtal über den kurven- und kehrenreichen Gailbergsattel. In Kötschach ein Stück durch den Ort, dann rechts in Lesachtal. Ansichtssache: Uns kommt diese Strecke über den Gailberg landschaftlich abwechslungsreicher vor. Wenn Sie die Tauernautobahn nutzen wollen, müssen Sie nach der Abfahrt noch ein gutes Stück Richtung Westen fahren: Entweder nutzen Sie die Abfahrt ins Drautal/ Lienz oder ins Gailtal/ Hermagor – weiter bis Kötschach. Hinweis: Die meisten wissen und kennen es: Anders als zurzeit noch in Deutschland fällt neben der Maut für einige Tunnel und manche Passstraßen auch eine Gebühr für Autobahnen an sowie für manche „Schnell- oder Autostraßen“! Das so genannte „Autobahn-Pickerl“ besorgt man sich am besten bereits zu Hause oder vor der Grenze. Ist es im oberen Bereich der Windschutzscheibe angeklebt, läuft man nicht Gefahr, eventuell aus Versehen auf eine gebührenpflichtige Straße zu kommen und bei einer Kontrolle zur Kasse gebeten zu werden. (jw)

Links
Über die Seite www.lesachtal.com erfahren Sie mehr zum Tal. Sie gelangen von hier auch zu den verschiedenen Gastgebern, von Ferienwohnungen bis zu Hotels.
Auf  www.maria-luggau.at geht es rund um den Wallfahrtsort mit Erläuterungen und Veranstaltungen.
Zur Gesamtregion in diesem Teil des südwestlichen Kärntens gelangen Sie über www.nlw.at

Zum Büchlein "Familienradeln und Mountainbiking" mehr bei www.buch-juwel.de

Hinweis: Fotos aus verschiedenen Jahren, dadurch keine Gewähr für Aktualität der Örtlichkeiten sowie für Pauschalen und andere Angebote. Text nach Eigenerlebnis und eigenen Recherchen. Zwischen Recherche, Texterstellung und Aufruf der Seite kann es Veränderungen zu Straßenverläufen, Wanderwegen und anderem gegeben haben und aktuell geben, bis zu kompletten Sperrungen oder anderen Verläufen. Es ist ratsam, sich zu Bergtouren ausführlich vor Ort zu informieren und die Witterungsbedingungen zu beachten oder je nach Angebot geführte Touzren zu nutzen. Irrtum und Änderungen in jeder Hinsicht bleiben stets vorbehalten.
Auf diese Blogseite darf mit einem Link hingewiesen werden. Nutzung von Text oder Textteilen und/oder Fotos in Print- oder Internetseiten, einschließlich Blogs und Social Media, ist nicht erlaubt! Alle Verwendungen, welcher digitaler oder drucktechnischer Art auch immer, bedürfen unserer ausdrücklichen Zustimmung. Bitte anfragen. Alle Rechte auf Fotos und Text bei © presseweller. Es gilt deutsches Urheberrecht.

Lesen Sie Reiseberichte und -tipps auch immer auf der Seite Tourismus auf http://www.presseweller.de, die ohne Anmeldung zugänglich ist.


Printmedien, die Interesse am Abdruck oder Teilabdruck unserer Reiseberichte haben: Bitte kontakten Sie uns.  

Freitag, 30. Januar 2015

In Kärntens Südwesten: Auf tiefen Schneespuren



Alles Schnee auf der Gailtalreise. (Alle Fotos (c) presseweller)


Unterwegs zwischen Karnischen und Gailtaler Alpen 

im Gailtal und am Nassfeld


Anders als früher, als wir oft noch im dicken Schnee und den ersten Krokussen auf den südseitigen Hängen den Palmsonntag oder die Osterfeiertage mit all den feierlichen Zeremonien erlebten, war es dieses Mal, 2014,  noch gut drei Wochen hin bis Ostern. Unterwegs hatten wir schon viele Schneelandschaften entdeckt. Ein Bild, das sich fortsetzte, als wir über die Windische Höhe ins Kärntner Gailtal, zwischen Karnischen und Gailtaler Alpen, einfuhren. Alles weiß, still ruhte der Pressegger See.

„So richtig viel Schnee haben wir heuer abbekommen“, erzählte uns ein Bekannter. Er zeigte Fotos, wie mühsam das tägliche Schneeräumen und wie hoch der Schnee gewesen war. Wir staunten. Noch immer trugen die Wiesen rund um die Gail wie die Berghänge dicke Schneepolster. „Bis es im Tal aper (schneefrei) ist, wird wohl noch einige Zeit dauern“, sagte Lorenz.
Die Straßen waren frei, so dass wir uns das eine und andere anschauen konnten, bevor es abends ins ins Hotel ging, wo wir nach dem Essen noch gemütlich mit den Gastgebern und anderen Gästen zusammensaßen, über Winter, Schnee, Wintersport, die Heimatorte und Anfahrt plauderten und den Tag ausklingen ließen. „Das Nassfeld mit seinen riesigen Schneemengen müsst ihr euch unbedingt anschauen“, war eine eindeutige Empfehlung.

Einmal hoch aufs Nassfeld
Also geht es am nächsten Tag ab in die Höhe. Die Passstraße ist geräumt. Je höher wir kommen, desto dicker der Schnee. Wie verstohlen liegt linksseitig in einer Kehre der Bodensee im verschneiten Wald. Bald schon sehen wir die Gartnerkofelsesselbahn und sind schließlich auf dem Nassfeld, dem bekannten Skigebiet, auf über 1500 Meter Seehöhe. Hier herrscht reges Treiben. Schließlich locken rund 110 Pistenkilometer. „Boh, das ist ja Schnee, was für eine Menge!“, staunen wir. Besonders gut sieht man es auf den Dächern der Gebäude, aber auch an den Markierungsstangen. „Das ist alles schon weit weniger, als noch vor ein paar Wochen,“ sagt man uns. Wir stapfen mit Juchhe im Schnee, schauen von leichter Anhöhe auf die italienische Seite und den Obersee mit dem mächtigen Felsmassiv des Malurch im Hintergrund. Beeindruckend. Nassfeld und Schnee sind uns nicht neu. Wir waren auch schon an Ostern da, als wir ein, zwei Meter oberhalb des Tennisplatzes durch den Schnee spazierten. Aber dieses Mal schien es noch mehr zu sein. Für die alteingesessenen Menschen im Tal und am Berg nichts so sehr Besonderes: „Das kommt immer wieder einmal. Viel Schnee sind wir gewohnt, weil sich hier am Karnischen Hauptkamm im Winter die Adriatiefs abschneien. Und das kann heftig sein.“ Die Skifahrer freut's. Wir erinnern uns an die Erzählungen von Franz und Erwin: „Es gab Jahre, da konntest du aus dem ersten Stock durchs Fenster auf die 'Straße' gehen.“ So ähnlich wird es wohl auch dieses Mal mitten im Winter 2014 gewesen sein.



Schnee satt auf dem Kärntner Nassfeld.



Durchs Dorf und Tal
Die Langlaufskier sind nicht dabei. Also geht es gut eingepackt per Pedes über den Wassererlebnisweg und durchs Dorf, an der alten Pfarrkirche und Bauernhäusern im typischen Kärntner Baustil mit den Schopfgiebeln vorbei. Die großen Ställe mit dem darüber liegenenden "Heuboden"  grenzen direkt ans Haus, alles oft umgeben von Obstbaumwiesen. Auf diesen leuchten in Sommer und Herbst Äpfel und Birnen aus den Ästen. Ein Teil des Obstes wird dazu verwendet, einen gehaltvollen herben Most und einen originalen bodenständigen Obstler für den Hausgebrauch herzustellen. Die Höfe haben in der Regel Brennrechte. Einen Obstler zum Anstoßen, einen Most für den Durst. Anders als der bei uns bekannte süße Most ist dieser hier alkoholhaltig. „Nicht zu viel“, rät Lorenz, „da kannst du schnell rauschig von werden.“
Eine Fahrt durchs Tal steht ebenfalls noch auf dem Programm. „Schattseitig“, wie man hier zu sagen pflegt. Das heißt, direkt unterhalb des Nordabfalls der Karnischen Alpen. Über enge Straßen geht es an kleinen Dörfern wie Döbernitzen mit Kirchen und Kapellen vorbei. Romantisch. Zwischendurch weisen Wegweiser auf Almen hin. Im Sommer schön, im Winter für normale Autos undurchdringlich. Auf der Höhe von Kirchbach kommt über Schneewiesen und die Gail das weit verlaufende Felsmassiv des Reißkofel besser in den Blick, mit über 2370 Metern der höchste Berg der Gailtaler Alpen.



Restauriertes Fresko an der Mauthener Kirche. 



Den Ort Mauthen erreichen wir quasi von der Rückseite. Er ist Teil der Gemeinde Kötschach-Mauthen. Die Mauthner Kirche trägt ein uraltes Fresko, im großen Rathausgebäude ist das Museum „1915 bis 1918“ etabliert, das mit zig Dokumenten und Ausstellungsstücken über die Zeit der Gebirgsfront im Ersten Weltkrieg erzählt, und in Kötschach schließlich die Kirche, der „Gailtaler Dom“. An der südseitigen Außenwand trägt die Kirche eine große Sonnenuhr.
Nach den Landschaftseindrücken zurück ins Hotel, zum "Hansbauer", dem ein Bauernhof angeschlossen ist. Tradition wird gepflegt. Man sieht es an den Dekostücken mit alten Skiern, den hölzernen Schneeschuhen von ehedem und dem landwirtschaftlichen Kleingerät, das die Wände ziert, alles abgerundet durch sorgsam erarbeitete Stickereien und anderem auf Kissen, Wandbehängen und Gardinen. Wir fühlen uns wohl.



Heimfahrt-Rückblick auf den Schneezauber im Gailtal. 


Am nächsten Morgen schneit es. Gut, dass wir heute nichts vorhaben, aber nicht so gut, wenn es durchschneit, schließlich wollen wir morgen früh nach Hause fahren. Zum Glück bleibt's im Rahmen. Es schneit „dünn“. Die Straßen sind bald wieder frei. Auch auf der Rückfahrt ist es so. Wir entscheiden uns wieder für die bestens geräumte Windische Höhe bei St. Stefan, um nach dem weiteren Pass, der "Kreuzen", bei Paternion flugs auf die Tauernautobahn zu kommen.
Nachdem wir viele Jahre nicht im Gailtaler Winter waren, sind wir froh, dass es dieses Mal geklappt hat und wir „auf tiefen Schneespuren“ im südwestlichen Kärnten sein konnten. Schön war's! (Jürgen Weller)

Aktuell per 30. Januar 2015 meldet das Nassfeld Neuschnee sowie eine Schneelage im Skigebiet bis 1,15 Meter!

Infos
Mehr zur Region und Reisethemen gibt es laufend auf http:www.presseweller.de
Zum Gailtal, Lesachtal, Weissensee auf www.nlw.at
Zum Nassfeld auf www.nassfeld.at

Bei Printabdruck erbitten wir unbedingt Belegseite oder PDF, bei Web einen Link!
30. 1. 2015. Alle Rechte (c) by presseweller.de

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Samstag, 23. August 2014

1. Weltkrieg: Museen in Kärnten und Slowenien



Schön sind die Julischen Alpen. Von der Südseite des Vrsic-Passes geht es ins Soca-Tal.

Gebirgsfront in den Karnischen Alpen und im Isonzotal


August 2014. (Dialog/jw). Der Beginn des Ersten Weltkriegs liegt 100 Jahre zurück. Von 1914 bis 1918 starben Millionen von Menschen. Nach dem tödlichen Schuss auf den österreichischen Erzherzog Franz-Ferdinand im Juni 2014 in Sarajewo erklärte Österreich-Ungarn wenig später Serbien den Krieg. Andere Staaten ließen sich mit in den Krieg hineinziehen, in Bündnissen mal auf dieser, mal auf jener Seite. Im Alpenraum bildeten sich in Karnischen und Julischen Alpen sowie in den Dolomiten Gebirgsfronten. Daran erinnern zum Beispiel Museen in Kötschach-Mauthen (Kärnten) und Kobarid in Slowenien.

Die Situation am Hauptkamm der Karnischen Alpen an der Südseite des Kärntner Gailtals und im Norden Friauls einerseits und im slowenischen Isonzo- oder Soca-Tal andererseits eskalierte 1915, weil Italien erst da in den Krieg eintrat und Österreich-Ungarn den Krieg erklärte. Die unschönen Ergebnisse dieses ersten gesamten großen Krieges im 20.Jahrhundert sind weithin bekannt. Vor allem wurden bereits für die damalige Zeit moderne Waffen jeder Art eingesetzt, bis wohl hin zu Giftgas.



In Kötschach-Mauthen im Rathaus ist das Museum 1915 - 1918. (Alle Fotos:(c) presseweller)

Museum im Ort und im Berggelände

Im „Museum 1915 – 1918“ im Rathaus in Kötschach-Mauthen im Kärntner Gailtal können sich Interessierte einen Überblick über die Geschehnisse der Gebirgsfront in den Karnischen Alpen anhand von Fotos, Dokumenten und unterschiedlichsten Exponaten verschaffen. Das wird ergänzt durch das Freilichtmuseum am Plöckenpass, wo auch alte Stellungen, Durchgänge und anderes mehr zu sehen sind und etwas abseits von der Passstraße aus begangen werden kann. An der Passstraße gibt es auch einen Gedenkfriedhof. Wer sonst in den Karnischen Alpen auf Wander- oder Bergtouren unterwegs ist, stößt hier und da ebenfalls auf Reste von Stellungen und Militärwegen. Der Karnische Höhenweg, der teils entlang der österreichisch-italienischen Grenze verläuft, heißt schon lange auch „Weg des Friedens“, Via della Pace“. Diesseits und jenseits der Grenze gibt es seit Jahrzehnten freundschaftliche Treffen. Wer diese Landschaften in Kärnten und Carnia besucht, mag gar nicht glauben, dass der Krieg hier in so idyllischer Landschaft so schlimm gewütet hat.


Ganz schlimm wütete der Krieg im malersichen Soca-Tal (Isonzo).

 

Im Tal des smaragdenen Flusses

So ist es auch im Tal der Soca, des Isonzo, im westlichen Slowenien. In der beeindruckenden Landschaft hat sich während des Ersten Weltkriegs Schlimmes abgespielt. Tote über Tote waren zu beklagen. Es galt vor allem auch wie überall in diesen Regionen, Berge zu erobern, weil man von dort mehr Überblick hatte und die Lage strategisch günstig war. Manche Berichte erzählen davon, dass sich diese so wunderbare smaragdfarbene Soca rot verfärbt hätte mit dem Blut der Verletzten und Getöteten.
Fährt man von Kranjska Gora über den Vrsic, den Werschetz-Pass, in dieses Tal, dann hat auch das eine geschichtliche Bewandtnis. Es war früher eine Militärstraße, die zu Zeiten des 1. Weltkriegs gebaut wurde, und zwar von russischen Kriegsgefangenen. „Schöne Strecke“, erzählt uns ein älterer Mann in gebrochenem Deutsch, „aber Bau war nicht gut, viele Tote.“ Das bestätigt sich, wenn man in Dokumenten und Beschreibungen zur Passstraße nachschaut. Deshalb gibt es am Pass auch eine russische Kapelle, die daran erinnert. Von der Straße aus muss man nur ein paar Meter hochgehen: schauen und innehalten.

In Kobarid im Soca-Tal gibt es das Museum zum 1. Weltkrieg mit zig Fotos und Dokumenten auf mehreren Etagen, in denen man mehr über diese einfach nur schlimmen Schlachten und das Leiden der Soldaten im Soca-Tal erfährt. Es gibt ebenfalls einen Freigeländebereich, wo man direkt vor Ort seine Eindrücke vertiefen kann. Es werden auch Führungen angeboten.

Wer heute im Tal der Soca unterwegs ist, kann sie wieder in ihrer Originalfarbe sehen, smaragdfarben schimmernd und klar. Wer nicht diese wunderschöne Passfahrt über den Vrsic – teils eng und auf der Südseite sehr steil – machen will, kann vom italienischen Cividale in den Ort gelangen oder südlicher von Gorizia aus ins Soca-Tal fahren. Eine Alternative ist der Predilpass, der über Tarvisio im nordwestlichen Italien erreicht wird.

Geschichtsinteressierte, aber auch Urlauber, die in diesen landschaftlich so reizvollen Regionen einfach mal einen Einblick in die damaligen Kriegszeiten haben wollen, haben damit zwei gute Möglichkeiten, sich das einstige Geschehen in Museen und Freilichteinrichtungen einmal gut dokumentiert zumindest in Ansätzen vor Augen zu führen. Ob die Staaten und Menschen daraus gelernt haben, ist wieder eine andere Frage. Schließlich ging es 1939 wieder los. Und wer heute auf die Erde schaut, weiß, in wie vielen Ländern und Regionen es schon wieder Krieg gibt und wie richtig schlimm das für alle Betroffenen ist. (presseweller)

Hinweis: Der Bericht soll nur einen kurzen informativen Überblick für Interessierte zur Gebirgsfront im 1. Weltkrieg und den zwei aufgeführten Museen geben. Insbesondere auch für Urlauber gedacht, die in diesen Gegenden unterwegs sind. Details und anderes überlassen wir den Historikern und Geschichtslehrern, die sich damit auskennen und alles sicher weitaus detaillierter beschreiben und erklären können.
Im gesamten Bereich werden auch weitere Museen und Einrichtungen das Thema 1. Weltkrieg im Bestand haben, außerdem gibt es aus Anlass des Kriegsbeginns vor 100 Jahren in vielen Museen und anderen Einrichtungen, auch in Deutschland, Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Wenn es für alle, die diese Zeiten nicht miterlebt haben, kaum möglich ist, sich in das Leid der Soldaten, der Bevölkerung und in die Zerstörungen hineinzuversetzen, so mag doch die Erkennntnis zurückbleiben: Krieg ist einfach nur schlimm, grausam, zerstörerisch, ganz schlimm!